So funktioniert unsere Sicherheitsbewertung
Ein tiefer Einblick in unsere 5-stufige Bewertungspipeline, von EU-Regulierungsdaten bis zu begutachteter Forschung.
Von Daten zu Entscheidungen
Jeder Inhaltsstoff in unserer Datenbank durchläuft eine rigorose 5-stufige Bewertungspipeline. Das Ziel: Komplexe wissenschaftliche Daten in einen einfachen, vertrauenswürdigen Sicherheitswert zu übersetzen, den alle Eltern verstehen können.
So funktioniert es im Detail.
Schritt 1: EU-CosIng-Import
Wir beginnen mit der EU Cosmetic Ingredient Database (CosIng) — dem offiziellen Register der Europäischen Kommission. Damit erhalten wir die definitive Liste von ca. 30.000 kosmetischen Inhaltsstoffen mit ihrem regulatorischen Status.
Europa hat die strengsten Kosmetikvorschriften der Welt. Die EU hat über 1.300 Inhaltsstoffe verboten, verglichen mit nur 11 in den USA. Mit EU-Daten zu beginnen bedeutet, dass wir auf dem schützendsten regulatorischen Rahmenwerk aufbauen.
Schritt 2: ECHA-Gefahrenklassifizierung
Als Nächstes gleichen wir jeden Inhaltsstoff mit der Datenbank der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) ab. Die ECHA klassifiziert Chemikalien anhand standardisierter Gefahrenhinweise:
- H360 (Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen) → Automatisch als Hohes Risiko markiert
- H361 (Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen) → Als Mittleres Risiko markiert
- H362 (Kann Säuglinge über die Muttermilch schädigen) → Als Mittleres Risiko markiert
Diese regulatorischen Markierungen werden als harte Einschränkungen behandelt — unser Bewertungsalgorithmus kann einen Inhaltsstoff mit offizieller Gefahrenklassifizierung nicht herabstufen.
Schritt 3: Wissenschaftliche Literaturrecherche
Für jeden Inhaltsstoff durchsuchen wir PubMed — die weltweit größte biomedizinische Forschungsdatenbank — nach schwangerschaftsrelevanten Studien. Wir suchen nach:
- Reproduktionstoxizitätsstudien
- Teratogenitätsforschung (Geburtsfehler)
- Studien zur pränatalen Exposition
- Studien zum Übertritt in die Muttermilch
Anzahl und Qualität der relevanten Studien beeinflussen das Konfidenzniveau unserer Bewertung.
Schritt 4: Drei-Achsen-Bewertung
Jeder Inhaltsstoff erhält drei Teilwertungen (Skala 0–3):
Gefahrenwert (H)
Wie gefährlich ist diese Substanz grundsätzlich?
- 0 = Keine bekannten Gefahren
- 1 = Minimales Bedenken
- 2 = Moderates Bedenken (gewisse Hinweise auf Schaden bei hohen Dosen)
- 3 = Bekannte Gefahr (regulatorische Markierungen, starke Evidenz)
Mechanismuswert (M)
Gibt es einen biologischen Wirkweg, der während der Schwangerschaft Schaden verursachen kann?
- 0 = Kein bekannter Mechanismus
- 1 = Nur theoretisches Bedenken
- 2 = Nachgewiesener Mechanismus in Tiermodellen
- 3 = Nachgewiesener Mechanismus beim Menschen
Expositionswert (E)
Wie viel erreicht den Körper bei normaler kosmetischer Anwendung?
- 0 = Vernachlässigbare Absorption
- 1 = Geringe Absorption (die meisten kosmetischen Anwendungen)
- 2 = Moderate Absorption (Einwirkprodukte)
- 3 = Hohe Absorption (>20 % systemische Verfügbarkeit)
Schritt 5: Berechnung des Endwerts
Die drei Teilwertungen werden mit unserem Schweregrad-Mischungsalgorithmus zu einem Sicherheitswert (0–100) kombiniert:
1. Bandzuordnung zuerst: Die höchste Teilwertung bestimmt das Risikoband
2. Schweregrad-Mischung: Endwert = 0,7 × Spitzenschweregrad + 0,3 × Durchschnittsschweregrad
3. Harte Einschränkungen: ECHA H360/H361-Markierungen überschreiben jeden berechneten Wert
Risikobänder
| Band | Wertbereich | Bedeutung |
|---|---|---|
| Keine bekannten Risiken | 90–100 | Sicher nach allen verfügbaren Erkenntnissen |
| Niedriges Risiko | 70–89 | Geringfügige theoretische Bedenken, grundsätzlich sicher |
| Mittleres Risiko | 40–69 | Gewisse Hinweise auf Bedenken, Alternativen in Betracht ziehen |
| Hohes Risiko | 0–39 | Starke Hinweise auf Risiko, während der Schwangerschaft meiden |
Warum Band-zuerst-Logik?
Eine einzelne hohe Gefahrenwertung sollte einen Inhaltsstoff in ein gefährliches Band einordnen, selbst wenn die anderen Wertungen niedrig sind. Zum Beispiel wird ein Inhaltsstoff mit einer Gefahrenwertung von 3 (bekanntes Teratogen), aber niedriger Exposition (0), trotzdem als hohes Risiko eingestuft — denn wenn sich die Expositionsbedingungen ändern (anderer Produkttyp, geschädigte Haut), bleibt die Gefahr bestehen.
Das ist das Vorsorgeprinzip in der Praxis.
Bewertung auf Produktebene
Wenn Sie ein vollständiges Produkt scannen oder analysieren:
1. Wir bewerten jeden Inhaltsstoff einzeln
2. Gewichtung nach Position (zuerst aufgeführte Inhaltsstoffe sind in höheren Konzentrationen enthalten)
3. Die größten Problemstoffe werden prominent hervorgehoben
4. Es wird ein Gesamtsicherheitswert für das Produkt vergeben
Der Produktwert ist nur so gut wie sein schlechtester Inhaltsstoff — ein einzelner Hochrisiko-Inhaltsstoff kann den Gesamtwert deutlich senken.
Transparenz und Einschränkungen
Wir zeigen unsere Arbeit:
- Jede Inhaltsstoffseite zeigt die Quelldaten und Teilwertungen
- Unsere Methodikseite erklärt die vollständige Pipeline
- Wir verlinken auf PubMed-Studien, wo verfügbar
Wichtige Einschränkungen:
- Die Konzentration ist entscheidend — ein Inhaltsstoff bei 0,01 % verhält sich ganz anders als bei 5 %
- Individuelle Gesundheitszustände können das Risikoprofil verändern
- Neue Forschung kann Risikobewertungen ändern
- Dieses Tool ersetzt keinen ärztlichen Rat
Unsere Methodik wird kontinuierlich weiterentwickelt, wenn neue Forschungsergebnisse vorliegen. Wir aktualisieren Bewertungen, sobald bedeutende neue Erkenntnisse veröffentlicht werden.